20. November 2025
Earth Hour: 60 Minuten für den Planeten
Die Earth Hour (deutsch: Stunde der Erde) ist die weltweit größte Klima- und Umweltschutzaktion. Sie wird jährlich vom WWF (World Wide Fund For Nature) initiiert. Der Kern der Aktion ist ein simples, aber mächtiges Ritual: Einmal im Jahr schalten Millionen von Menschen, Städten und Unternehmen für genau eine Stunde das Licht aus, um ein gemeinsames Zeichen für den Klimaschutz zu setzen.
Wann findet die Earth Hour statt?
Die Earth Hour findet traditionell am letzten Samstag im März statt. Der Zeitraum ist immer von 20:30 Uhr bis 21:30 Uhr der jeweiligen Ortszeit. Aufgrund der Zeitzonen wandert die „Welle der Dunkelheit“ einmal rund um den Globus.
Ursprung und Geschichte
Die Idee entstand in Australien. Am 31. März 2007 fand in Sydney die erste Earth Hour statt. Das Ziel des WWF Australien war es, die Aufmerksamkeit auf den CO₂-Ausstoß der Stadt zu lenken. Die Beteiligung übertraf alle Erwartungen: Mehr als 2,2 Millionen Haushalte und Unternehmen schalteten das Licht aus.
Was als lokale Kampagne begann, entwickelte sich rasend schnell zu einer globalen Bewegung:
Bereits 2008 beteiligten sich 370 Städte in 35 Ländern. Heute nehmen tausende Städte in fast allen Ländern der Welt teil. Berühmte Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor, der Eiffelturm, das Sydney Opera House oder das Empire State Building versinken für 60 Minuten in Dunkelheit.
Zielsetzung: Symbolik vs. Stromsparen
Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass die Earth Hour primär dazu dient, in dieser einen Stunde Energie zu sparen. Zwar wird tatsächlich Strom eingespart, doch ist dieser Effekt global gesehen vernachlässigbar und nicht das Hauptziel.
Die primären Ziele sind:
- Globales Zeichen: Die Dunkelheit soll politischen Entscheidungsträgern signalisieren, dass Klimaschutz ein weltweites Anliegen ist, das Grenzen überschreitet.
- Bewusstsein schaffen: Die Aktion soll Menschen dazu anregen, über ihren eigenen ökologischen Fußabdruck nachzudenken und Gespräche über Nachhaltigkeit in Familien und Freundeskreisen anstoßen.
- Einheit: Sie demonstriert, dass individuelles Handeln (das Betätigen eines Lichtschalters) in der Summe eine gewaltige kollektive Kraft entfalten kann.
Weiterentwicklung: „Your Hour for Earth“
In den letzten Jahren hat der WWF das Konzept erweitert. Unter dem Motto „Your Hour for Earth“ geht es nicht mehr nur um das Lichtausschalten. Teilnehmer werden ermutigt, diese 60 Minuten (oder darüber hinaus) aktiv für den Planeten zu nutzen, die sogenannte „Hour Bank“.
Möglichkeiten sind:
- Sich über Biodiversität informieren.
- Müll in der Nachbarschaft sammeln (Clean-up).
- Vegetarisch/Vegan kochen.
- Alte Kleidung reparieren statt neu kaufen.
Kritik und Diskussion
Trotz der Popularität gibt es auch kritische Stimmen zur Earth Hour:
- Symbolpolitik („Slacktivism“): Kritiker bemängeln, dass das Ausschalten des Lichts eine reine „Wohlfühl-Aktion“ sei, die keine echten politischen Konsequenzen habe und von den notwendigen systemischen Änderungen ablenke.
- Greenwashing: Unternehmen könnten die Teilnahme nutzen, um sich ein grünes Image zu geben, ohne ihre tatsächlichen Emissionen im Kerngeschäft zu reduzieren.
- Netzstabilität: Früher gab es Befürchtungen, dass das plötzliche An- und Abschalten Stromnetze destabilisieren könnte. Netzbetreiber haben jedoch bestätigt, dass die Schwankungen für moderne Stromnetze in der Regel problemlos handhabbar sind, da der Anteil der Beleuchtung am Gesamtstromverbrauch (im Vergleich zu Industrieanlagen) moderat ist.
Die Earth Hour ist mehr als nur 60 Minuten Dunkelheit. Sie ist das größte visuelle Statement für den Klimaschutz weltweit. Auch wenn sie den Klimawandel nicht direkt stoppt, hält sie das Thema medial und gesellschaftlich präsent und erinnert daran, dass der Schutz des Planeten eine globale Gemeinschaftsaufgabe ist.

