20. November 2025

Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (HfGG): Transformation durch plurale Wissenschaft

Die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (HfGG), mit Sitz in Koblenz (Rheinland-Pfalz), ist eine staatlich anerkannte Hochschule in freier Trägerschaft. Sie versteht sich als Ort der transformativen Wissenschaft und wurde gegründet, um die dringend notwendige Verbindung von wirtschaftlichem, sozialem und ökologischem Denken im akademischen Raum zu stärken. Ihr zentrales Anliegen ist die Ausbildung von Studierenden, die fähig sind, aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigeren und gerechteren Gesellschaft mitzuwirken.

Historische und philosophische Einordnung

Die HfGG ging aus der ehemaligen Cusanus Hochschule hervor, die 2014 gegründet wurde. Die Gründung war eine direkte Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 und die kritische Auseinandersetzung mit der herkömmlichen, oft als eindimensional empfundenen Lehre an Wirtschaftsfakultäten.

Der Leitgedanke: Anstelle einer rein funktionalen Ausbildung, die auf die Optimierung des bestehenden Systems abzielt, sollen die Studierenden die Fähigkeit zur kritischen Reflexion und zur systemischen Gestaltung erwerben.

Der Gründungsauftrag: Die Hochschule legt Wert auf die Verbindung von Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, um komplexe gesellschaftliche Herausforderungen ganzheitlich zu adressieren.

Das Bildungskonzept: Plurale Ökonomik und Transdisziplinarität

Das didaktische und inhaltliche Konzept der HfGG basiert auf zwei zentralen Pfeilern, die sie von vielen anderen Institutionen abheben:

Plurale Ökonomik

Anstatt sich auf die Neoklassische Ökonomik (die das vorherrschende Modell an den meisten Universitäten darstellt) zu beschränken, werden bewusst verschiedene Denkschulen gelehrt.

Vielfalt der Ansätze: Dazu gehören unter anderem die Ökologische Ökonomik, die Postwachstumsökonomie, die Feministische Ökonomik, die Institutionenökonomik und Ansätze der Gemeinwohl-Ökonomie.

Ziel: Die Studierenden sollen die Stärken und Schwächen unterschiedlicher Modelle verstehen und kritisch bewerten können, um jenseits des klassischen Wachstums-Paradigmas innovative Lösungen für die Wirtschaft der Zukunft zu entwickeln.

Transformative und Transdisziplinäre Wissenschaft

Die Hochschule legt Wert darauf, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur beschreiben, sondern aktiv zur Transformation der Gesellschaft beitragen.

Interdisziplinarität: Die Studiengänge kombinieren obligatorische Elemente aus Philosophie, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften.

Transdisziplinarität: Es findet ein intensiver Austausch mit der Praxis statt. Dies geschieht durch Praxisprojekte, Kooperationen mit sozialen und ökologischen Unternehmen sowie durch die Einbindung von Experten aus der Zivilgesellschaft.

Studienangebot und Struktur

Die Hochschule bietet verschiedene Studienformate an, die auf die Gestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft abzielen. Das Studienangebot umfasst beispielsweise die Bereiche:

Ökonomie und Gesellschaftsgestaltung (mit Bachelor- und Masterabschlüssen).

Philosophie und Gesellschaftsgestaltung. Die Struktur des Studiums zeichnet sich durch kleine Gruppengrößen, intensiven persönlichen Austausch und einen hohen Anteil an Seminararbeit und eigenständiger Forschung aus.

Bedeutung und Beitrag zur Nachhaltigkeit

Die HfGG leistet einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der globalen Herausforderungen, indem sie einen neuen Typ von Entscheidungsträgern ausbildet:

Systemisches Denken: Die Absolventen sind in der Lage, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Klima und Sozialem zu erfassen (z. B. erkennen sie, dass Ressourcenknappheit keine isolierte Marktstörung, sondern eine ökologische Grenze darstellt).

Brückenfunktion: Die Hochschule schlägt eine Brücke zwischen aktivistischem Engagement und fundierter wissenschaftlicher Analyse. Sie liefert das akademische Rüstzeug für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in Wirtschaft und Politik.

Herausforderungen und Ausblick

Als Hochschule in freier Trägerschaft ist die HfGG in ihrer Finanzierung stärker auf Studiengebühren und private Zuwendungen angewiesen als staatliche Universitäten. Zudem muss sie sich im Wettbewerb mit etablierten Hochschulen um die Anerkennung ihrer innovativen Ansätze und die Gewinnung von Studierenden behaupten. Ihre wachsende Bedeutung im deutschsprachigen Raum zeigt jedoch den steigenden Bedarf an pluraler und transformativer ökonomischer Bildung.

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