19. November 2025

Kohlendioxidpreis: Die Internalisierung externer Kosten

Fabrikschornstein der Kohlendioxid ausstößt

Ein Kohlendioxidpreis (oft kurz CO₂-Preis genannt) ist ein umweltökonomisches Instrument, das darauf abzielt, die Emissionen von Treibhausgasen durch finanzielle Kosten zu senken. Das grundlegende Prinzip dahinter ist die Kostenwahrheit: Die ökologischen Folgeschäden durch den Klimawandel (z. B. Ernteausfälle, Flutkatastrophen, Gesundheitsschäden) werden durch den Preis direkt dem Verursacher zugerechnet.

In der Ökonomie spricht man von der Internalisierung externer Effekte. Ziel ist es, fossile Energieträger zu verteuern und klimafreundliche Alternativen wettbewerbsfähig zu machen.

Die zwei Modelle der CO₂-Bepreisung

Weltweit und auch innerhalb Europas werden zwei unterschiedliche Systeme genutzt, um einen Preis auf CO2​ festzulegen:

A. Die CO₂-Steuer (Preissteuerung)

Der Staat legt einen festen Preis pro Tonne ausgestoßenem CO2​ fest.

Vorteil: Hohe Planungssicherheit für Unternehmen und Haushalte, da die Kostenentwicklung vorhersehbar ist.

Nachteil: Die exakte Menge der Emissionsminderung ist ungewiss, da sie davon abhängt, wie stark die Akteure auf den Preis reagieren.

B. Der Emissionshandel (Mengensteuerung)

Der Staat legt eine Obergrenze (Cap) für die zulässigen Gesamtemissionen fest und gibt entsprechende Zertifikate aus.

Vorteil: Die Erreichung des Klimaziels ist garantiert, da nicht mehr emittiert werden darf, als Zertifikate im Umlauf sind.

Nachteil: Der Preis schwankt je nach Angebot und Nachfrage am Markt, was die Planungssicherheit erschweren kann.

Das System in Deutschland und Europa

In Deutschland greifen aktuell zwei Systeme ineinander:

EU-Emissionshandel (EU ETS): Gilt europaweit für die Energiewirtschaft, die Schwerindustrie und den innereuropäischen Luftverkehr. Die Preise bilden sich frei am Markt.

Nationales Emissionshandelssystem (nEHS): Basierend auf dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) werden in Deutschland seit 2021 auch Wärme (Heizen) und Verkehr (Tanken) bepreist. Hier startete das System mit einem jährlich steigenden Festpreis, der ab 2026 in einen echten Versteigerungsmarkt übergeht.

Lenkungswirkung und ökonomische Auswirkungen

Ein CO₂-Preis entfaltet seine Wirkung über drei Hebel:

Investitionsanreiz: Für Unternehmen lohnt es sich plötzlich finanziell, in energieeffiziente Maschinen oder grüne Wasserstoff-Technologien zu investieren, da diese die CO₂-Abgaben vermeiden.

Konsumsteuerung: Produkte mit einem hohen CO2​-Rucksack werden teurer, während klimafreundliche Produkte (z. B. Fleischersatz, E-Autos) relativ gesehen günstiger werden.

Innovation: Der Preisdruck zwingt Ingenieure und Entwickler dazu, neue Lösungen zur Emissionsminderung zu finden.

Soziale Gerechtigkeit und Klimageld

Für fachkundige Leser ist die Regressivität des CO₂-Preises ein zentraler Diskussionspunkt. Da einkommensschwache Haushalte einen größeren Teil ihres Einkommens für Energie (Heizen, Benzin) ausgeben, belastet sie ein CO₂-Preis verhältnismäßig stärker.

Lösungsansatz Klimageld: Viele Ökonomen fordern, die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung pro Kopf an die Bürger zurückzuerstatten.

Haushalte mit geringem CO2​-Verbrauch (oft einkommensschwächere Personen ohne großes Haus oder SUV) bekämen so mehr zurück, als sie eingezahlt haben.

Dies stellt die soziale Akzeptanz des Klimaschutzes sicher, ohne die Lenkungswirkung des Preises zu schwächen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie hoch ist der aktuelle CO₂-Preis in Deutschland?
Im nationalen System (Heizen/Tanken) liegt der Festpreis im Jahr 2025 bei 55 Euro pro Tonne. Im europäischen System (Industrie/Strom) schwankt der Preis an der Börse und lag zuletzt oft zwischen 60 und 90 Euro.

Verursacht der CO₂-Preis Inflation?
Ja, unmittelbar führt ein steigender Preis zu höheren Kosten für fossile Energie. Ziel ist jedoch eine langfristige Stabilisierung: Wer früh auf erneuerbare Energien umstellt, schützt sich vor den künftig noch deutlich höheren CO₂-Kosten und fossilen Preissprüngen.

Was passiert mit den Einnahmen aus dem CO₂-Preis?
In Deutschland fließen die Einnahmen in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Daraus werden Förderungen für Heizungstausche, die Gebäudesanierung, die Wasserstoffstrategie und die Entlastung beim Strompreis (Wegfall der EEG-Umlage) finanziert.

Gibt es einen weltweiten CO₂-Preis?
Leider nein. Es gibt viele regionale Systeme (EU, China, Kanada, Teile der USA). Um Wettbewerbsnachteile für die heimische Industrie zu vermeiden, führt die EU ab 2026 den CO₂-Grenzausgleich (CBAM) ein, der Importe aus Ländern ohne CO₂-Preis mit einer Abgabe belegt.

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