22. November 2025
momox: Re-Commerce-Pionier Second Hand, Nachhaltigkeit und Onlinehandel in Verbindung
Was ist momox?
momox ist ein Re-Commerce-Unternehmen mit Sitz in Berlin, das sich auf den An- und Verkauf gebrauchter Bücher, Medien und Mode spezialisiert hat. Kund:innen können ihre gebrauchten Artikel online zum Festpreis verkaufen; momox prüft die Ware und verkauft sie anschließend weiter – vor allem über die Plattformen medimops (Bücher & Medien) und momoxfashion (Kleidung).
Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 2004, als Gründer Christian Wegner zunächst mit kleinem Budget gebrauchte Medien über Online-Marktplätze verkaufte. 2006 entstand daraus die momox GmbH, später eine Aktiengesellschaft – heute firmiert das Unternehmen als momox SE.
Kurzüberblick: Fakten zu momox
- Gründungsidee: Ankauf und Weiterverkauf gebrauchter Bücher und Medien ab 2004
- Sitz: Berlin, mit großen Logistikzentren u. a. in Leipzig und Polen
- Geschäftsmodell: Online-Ankauf gebrauchter Bücher, Medien, Spiele und Mode zum Festpreis, Wiederverkauf über eigene Shops
- Produkte: Bücher, CDs, DVDs/Blu-rays, Games, Schallplatten, Kleidung, Schuhe und Accessoires
- Größe: Über 2.100 Mitarbeitende (2023) und ein Umsatz im hohen dreistelligen Millionenbereich; 2023 lag der Jahresumsatz bei rund 347 Mio. Euro.
- Mengen: Seit der Gründung wurden hunderte Millionen Artikel angekauft und weiterverkauft.
Wie funktioniert momox? – Das Prinzip Re-Commerce
momox ist ein typisches Beispiel für Re-Commerce: den kaufmännisch organisierten Wiederverkauf gebrauchter Waren.
- Ankauf
Nutzer:innen geben auf der Website oder in der App ISBN, Barcode oder Artikelnummer** ein oder scannen sie.
Das System errechnet einen Festpreis, basierend u. a. auf Nachfrage, Zustandserwartung und Marktpreisen.
Ab einem bestimmten Mindestankaufswert können die Artikel kostenlos eingeschickt werden.
In den Logistikzentren werden die eingehenden Artikel:
- Qualitätsprüfung und Sortierung
auf Zustand und Funktion geprüft,
je nach Qualität zum Weiterverkauf freigegeben oder aussortiert,
kategorisiert, eingelagert und mit einem Lagerplatz verknüpft.
- Weiterverkauf
Der Verkauf erfolgt über:
medimops und momoxbooks für Bücher & Medien
zusätzlich über Marktplätze wie Amazon und eBay; momox gilt dort als einer der größten Händler gebrauchter Ware.
momoxfashion für Kleidung und Accessoires
Kund:innen können dort Second-Hand-Artikel häufig deutlich günstiger als Neuware kaufen – teils mit bis zu 70 % Rabatt.
momox und Nachhaltigkeit: Kreislaufwirtschaft in der Praxis
- Verlängerung der Produktlebensdauer
Der ökologische Kern des Geschäftsmodells: Gebrauchtes wird nicht entsorgt, sondern weitergenutzt. Das hat mehrere Effekte:
- Rohstoffe (Papier, Baumwolle, Kunstfasern, Kunststoffe) werden länger im Umlauf gehalten.
- Die energieintensive Produktion von Neuware kann teilweise ersetzt werden.
- Die Menge an Abfall (z. B. Altkleider, Altpapier) wird reduziert.
momox selbst betont, dass durch den Wiederverkauf von Artikeln messbare CO₂-Einsparungen im Vergleich zum Neukauf entstehen; das Unternehmen versucht, diese Effekte in Impact- und ESG-Berichten transparent zu quantifizieren.
- Re-Commerce und Circular Economy
Aus Sicht der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) erfüllt momox mehrere Bausteine:
- Wiederverwendung (Reuse) statt Wegwerfen
- Wertschöpfung aus Beständen statt reinem Neukonsum
- Daten- und Logistikkompetenz zur Organisation großer Rückflussströme gebrauchter Produkte
- Damit wird momox oft als Best-Practice-Beispiel für digitale Geschäftsmodelle im Bereich Second Hand und nachhaltiger Konsum angeführt.
- Chancen für Konsument:innen
Für Verbraucher:innen bietet momox mehrere Vorteile:
Einfache Verkaufsoption:
Wer keine Lust auf Auktionen, Einzelverkäufe oder Flohmarkt hat, kann seine gebrauchten Artikel schnell zum Festpreis abgeben.
Preisvorteile beim Kauf:
Im Vergleich zur Neuware sind Bücher, Medien und Kleidung oft deutlich günstiger.
- Niedrigschwelliger Beitrag zur Nachhaltigkeit:
- Gebrauchtes verkaufen statt wegwerfen
- Second Hand kaufen statt neu produzieren lassen
Digitaler Komfort:
App-basierte Nutzung
Versandetikett, Online-Tracking, einheitliche Abwicklung
Kritikpunkte und Diskussion
Wie viele große Plattformen steht auch momox immer wieder in der Kritik:
- Preiswahrnehmung und Fairness
Ein häufiger Kritikpunkt von Nutzer:innen:
Die Ankaufpreise für einzelne Bücher oder Kleidung werden als niedrig empfunden – während die Artikel später teils deutlich höher weiterverkauft werden.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind darin:
- Prüfung, Lagerung, Logistik, IT und Ausfallrisiko
- Steuern, Personal und Retourenmanagement
eingepreist. Aus Konsumentensicht bleibt es aber ein Spannungsfeld zwischen Komfort und Preisfairness.
- Berichte über Fehler und Reklamationen
Medienberichte haben in der Vergangenheit Fälle beschrieben, in denen angeblich eingesendete Bücher als „nicht angekommen“ oder „nicht verkaufbar“ klassifiziert, später aber dennoch im Sortiment aufgetaucht sein sollen.
Solche Fälle werfen Fragen auf zu:
- Transparenz im Prüfprozess
- Reklamationsabwicklung
- Vertrauen in die Plattform
Das Unternehmen betont auf seinen Informationsseiten die Bedeutung von Qualitätssicherung und Kundenservice.
- Rebound-Effekte
Auch aus Nachhaltigkeitssicht gibt es Diskussionspunkte:
Wenn Second Hand sehr günstig und bequem wird, kann das dazu führen, dass Menschen mehr kaufen, als sie tatsächlich brauchen („Rebound-Effekt“). Damit relativiert sich ein Teil der ökologischen Einsparungen.
momox im Kontext der Nachhaltigkeit
Für ein Nachhaltigkeitslexikon ist momox aus mehreren Gründen interessant:
- als Pionier des Re-Commerce in Deutschland und Europa
- als praktisches Beispiel, wie digitale Plattformen Kreisläufe organisieren
- als Fallstudie für Chancen und Ambivalenzen nachhaltigen Konsums
Die Plattform zeigt:
Positive Seite: Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung, Zugang zu günstigem Second Hand.
Kritische Seite: Fragen nach Arbeitsbedingungen, Preisfairness, Transparenz und tatsächlicher Netto-Umweltwirkung.

