22. November 2025

NABU – Naturschutzbund Deutschland: Geschichte, Ziele und Arbeit für Mensch und Natur

Der Naturschutzbund bringt den Menschen die Natur nah

NABU – wer oder was ist das genau?

Der NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.) ist einer der ältesten und größten Umweltverbände in Deutschland. Gegründet wurde er 1899 in Stuttgart von Lina Hähnle als „Bund für Vogelschutz“. Ursprünglich stand der Schutz von Vögeln im Mittelpunkt, später wurde das Spektrum auf Natur- und Umweltschutz insgesamt erweitert.

Heute verfolgt der NABU das Leitmotiv „Für Mensch und Natur“ und setzt sich dafür ein, Lebensräume zu erhalten, Artenvielfalt zu schützen und eine umweltverträgliche Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft zu fördern.


Kurzprofil: Die wichtigsten Fakten zum NABU

  • Rechtsform: Eingetragener Verein (e. V.)
  • Gründung: 1899 als „Bund für Vogelschutz“ in Stuttgart
  • Gründerin: Lina Hähnle – eine der frühen prägenden Figuren des organisierten Naturschutzes in Deutschland
  • Sitz: Bundesgeschäftsstelle in Berlin
  • Mitglieder & Förderer: rund 960.000 inklusive Partnerverband LBV (Stand Dezember 2024)
  • Struktur: Bundesverband, 15 Landesverbände, Partnerverband LBV in Bayern, rund 2.000 lokale Gruppen (Orts-, Kreis- und Fachgruppen)
  • Internationale Rolle: Nationale Partnerorganisation von BirdLife International

Historische Entwicklung: Vom Vogelschutz zum Umweltverband

1. Anfänge als Bund für Vogelschutz

Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele Vogelarten stark bejagt oder für Modezwecke genutzt, etwa für Hutschmuck. Aus dieser Situation heraus entstand 1899 der Bund für Vogelschutz, der vor allem Nistkästen, Schutzgehölze und Aufklärung über den Wert der Vogelwelt förderte.

Frühe Aktivitäten:

  • Anlegen von Hecken und Brutgehölzen
  • Verbreitung von Nistkästen
  • Aufklärungsarbeit in Schulen und Vereinen

2. Erweiterung zum Naturschutzbund Deutschland

Mit der Zeit wurde deutlich, dass Vogelschutz ohne Schutz ganzer Ökosysteme nicht ausreicht. Schrittweise kamen Themen wie:

  • Feuchtgebiete, Moore und Flüsse
  • Wälder und Streuobstwiesen
  • landwirtschaftliche Nutzung und Pestizide

hinzu. Nach der Wiedervereinigung und dem Zusammenschluss mit dem Naturschutzverband in der DDR firmiert die Organisation als Naturschutzbund Deutschland (NABU) und positioniert sich als umfassender Natur- und Umweltverband.


Ziele und Aufgaben des NABU

Der NABU verbindet praktischen Naturschutz, politische Lobbyarbeit und Umweltbildung. Grob lassen sich die Aufgaben in vier Bereiche clustern:

1. Schutz von Arten und Lebensräumen

Zentrales Ziel ist der Erhalt der Biologischen Vielfalt:

  • Schutz von Vögeln, Insekten, Fledermäusen, Amphibien und vielen weiteren Tiergruppen
  • Pflege und Sicherung wichtiger Lebensräume wie Auen, Moore, Wälder, Wiesen und Küsten
  • Betreuung von über 5.000 Schutzgebieten in Deutschland (z. B. Feuchtgebiete, Naturschutzflächen der NABU-Stiftung)

Dafür setzt der NABU sowohl klassische Maßnahmen (Pflege, Entbuschung, Mahd, Beweidung) als auch moderne Konzepte der naturnahen Landnutzung ein.

2. Politische Mitgestaltung und Umweltrecht

Der NABU ist ein nach Bundesnaturschutzgesetz anerkannter Umweltverband. Dadurch:

  • muss er bei wichtigen Eingriffen in Natur und Landschaft beteiligt werden
  • kann er Stellungnahmen abgeben und Alternativen einfordern
  • besitzt er ein Verbandsklagerecht nach Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz

In der Praxis bedeutet das: Der NABU bringt sich aktiv in Planungen zu Infrastruktur, Energie, Landwirtschaft oder Rohstoffabbau ein und versucht, umweltfreundliche Lösungen durchzusetzen.

3. Umweltbildung und Bewusstseinsbildung

Ein wichtiges Arbeitsfeld ist die Vermittlung von Naturwissen:

  • Umweltbildungszentren und Naturschutzzentren in vielen Regionen
  • Exkursionen, Führungen, Kinder- und Jugendprogramme
  • Informationsmaterialien, Magazine, Online-Angebote

Die Jugendorganisation NAJU (Naturschutzjugend) gehört zu den mitgliederstärksten Kinder- und Jugendumweltverbänden in Deutschland und organisiert eigene Projekte und Aktionen.

4. Forschung und Facharbeit

Der NABU unterhält:

  • Fachausschüsse und Arbeitskreise zu Themen wie Vögel, Insekten, Wälder, Landwirtschaft, Energie, Verkehr oder Abfall
  • eigene oder kooperierende Institute, die Daten erheben, Konzepte entwickeln und Publikationen herausgeben

Diese wissenschaftsnahe Arbeit sorgt dafür, dass Forderungen und Projekte fachlich begründet sind.


Wie der NABU organisiert ist

Der NABU arbeitet föderal:

Bundesverband in Berlin (Strategie, bundesweite Kampagnen, politische Arbeit, internationale Projekte)

  • Landesverbände in 15 Bundesländern plus Partnerverband LBV in Bayern
  • rund 2.000 Orts-, Kreis- und Fachgruppen, die konkrete Projekte vor Ort umsetzen
  • Die Jugendorganisation NAJU ist auf allen Ebenen eingebunden und bietet eigene Programme an.

Zusätzlich gibt es die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, die wertvolle Naturschutzflächen erwirbt und dauerhaft sichert. Sie betreut bereits über 20.000 Hektar in mehr als 300 Schutzgebieten.


Typische Aktionen und Projekte des NABU

Der NABU ist vor allem durch öffentlichkeitswirksame Aktionen bekannt, die wissenschaftliche Datenerhebung mit breiter Beteiligung kombinieren:

1. „Stunde der Gartenvögel“ und „Stunde der Wintervögel“

Bei diesen Aktionen zählen Menschen in ganz Deutschland eine Stunde lang die Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park und melden die Beobachtungen.

Nutzen:

  • Bürgerinnen und Bürger erleben Natur direkt
  • gleichzeitig entsteht eine große Datenbasis zu Bestandsentwicklungen verschiedener Vogelarten

2. Europäische Fledermausnacht

Ende August finden bundesweit Veranstaltungen zur „European Bat Night“ statt:

  • Fledermausexkursionen
  • Vorträge und Aktionen für Familien
  • Informationen zum Schutz dieser nachtaktiven Säugetiere

3. Zugvogel-Aktionen und Birdwatch

Zum internationalen EuroBirdwatch bietet der NABU Beobachtungstage an, um auf den Schutz von Zugvögeln und ihrer Rastgebiete aufmerksam zu machen.

4. Gewässerretter und Meere ohne Plastik

Mit der Online-Plattform Gewässerretter.de werden Müllfunde an Gewässern dokumentiert und Reinigungsaktionen koordiniert. Das Projekt entstand im Rahmen der Kampagne „Meere ohne Plastik“ und wurde später auf Flüsse und Seen ausgeweitet.


Internationale Arbeit

Der NABU ist nicht nur in Deutschland aktiv, sondern engagiert sich auch international:

  • Projekte in Regionen wie Kaukasus, Zentralasien oder Afrika
  • Schutz von Zugvögeln entlang ihrer Flugrouten
  • Kooperation im Netzwerk BirdLife International
  • Lobbyarbeit auf EU-Ebene über ein Büro in Brüssel

Zudem gibt es die NABU International Naturschutzstiftung, die sich speziell um globale Naturschutzprojekte kümmert.


Finanzierung und Unabhängigkeit

Die Arbeit des NABU wird überwiegend über:

  • Mitgliedsbeiträge
  • Spenden
  • öffentliche Zuschüsse
  • Erbschaften und
  • Kooperationen mit Unternehmen

finanziert.

Dass Unternehmenskooperationen kritisch begleitet werden müssen, zeigt sich an Debatten in Medien und Öffentlichkeit – etwa zu Partnerschaften mit großen Konzernen. Gleichzeitig betont der Verband, Mittel vor allem für Naturschutzprojekte, Flächenkauf oder Umweltbildung einzusetzen.


NABU im Kontext Nachhaltigkeit

Aus Sicht eines Nachhaltigkeitslexikons steht der NABU insbesondere für:

  • zivilgesellschaftliches Engagement im Umwelt- und Naturschutz
  • Verbindung von Ehrenamt, Fachwissen und politischer Einflussnahme
  • Beteiligung der Bevölkerung an Naturschutz (Citizen Science, Aktionen)
  • die Rolle großer Umweltverbände in Demokratie und Umweltpolitik

Der NABU ist damit ein wichtiger Akteur im deutschen Nachhaltigkeitssystem – neben staatlichen Behörden, Wissenschaft, Unternehmen und anderen NGOs.

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